The land of the free 😎 (Teil 3)

Nach dem kleinen, unerwarteten Abenteuer in Boise ging es also weiter, immer noch halb verkatert, knapp 8 Stunden in Richtung Portland. Die Fahrt war nicht sonderlich aufregend…die Landschaft veränderte sich vom platten, langweiligen und flachen Idaho zum schöneren und bewaldeten Oregon. Was hatte ich nicht alles schon gehört über Portland…wie ein kleines San Francisco, total schön, gechillt, liberal, usw…das waren zumindest die Geschichten noch vor ein paar Jahren. Die neusten Reaktionen waren allerdings etwas anders: Immer wenn ich interessierten Menschen von meine Reiseroute berichtete, bekam ich besorgte Blicke und es hieß: Oh, da musst du aufpassen…viele Obdachlose, Kriminalität, und anscheinend ist nicht mehr so viel über von dem gechillten Vibe von früher. Naja, dachte ich mir, ich werde mir schon mein eigenes Bild machen…und was soll ich sagen: Es war „speziell“ 😬.

Deutschland ist nicht unbedingt als Trendsetter-Land bekannt. Häufig habe ich schon irgendwas im Ausland gesehen was dann erst einige Jahre später bei uns „in Mode“ war…Karotten-Hosen, Flanking, Birkenstock, etc. Gerne haben sich die Deutschen ja auch an Amerika orientiert wenn es um den generellen Lifestyle ging…Filme, Musik, Ernähung, Tech, Trends…da war ein Besuch in USA immer ein kleiner „Blick in die Zukunft“.

Ich hoffe inständig, dass das nicht mehr zutrifft, und falls doch, dass Portland nicht das Maß aller Dinge ist. Noch nie habe ich so eine diffuse, und kaputte Gesellschaft gesehen…das war wirklich beängstigend.


Was wirklich auffällig war: Es gab erschreckend viele Homeless-People. Klar kannte ich das auch schon aus anderen Städten und aus meiner Zeit in SF, aber das hier war nochmal ne andere Hausnummer…Traurig genug dass das amerikanische System so viele Menschen durchs Raster fallen lässt. An jeder Ecke sah man Menschen mit ihrem Hab und Gut in Einkaufswägen, oder irgendwelche Zelte mitten in der Stadt camieren. Ein Großteil von ihnen sah so kaputt und zugedrogt aus, das war echt gruselig anzusehen…da wurden am laufenden Band Selbstgespräche geführt, rumgeschrien, geschlafen, gebettelt, onaniert…ich wusste nicht ob ich Mitgefühl oder Angst haben sollte…irgendwie war es eine Mischung aus beidem…

Als wäre das nicht schon „Erfahrung“ genug, gab es auf der anderen Seite die – ich nenne sie mal berufstätige – Bevölkerung, die allerdings auch total „drüber“ war (ich vermeide hier bewusst das Wort „normal“). Ich habe mich bisher immer für einen toleranten Menschen gehalten. Ganz nach dem Motto „Jeder Jeck ist anders“ ist es mir wirklich völlig latte wie die Leute aussehen, welches Geschlecht sie meinen zu haben oder welches andere (oder gleiche) Geschlecht sie lieben. Soll jeder machen was er/sie/es für richtig hält, so lange man nicht aufdringlich ist oder andere (inkl. mich) damit belästigt.

Aber das was ich da gesehen habe…das war eine Mischung aus Walking Dead und Olivia Jones. Überall (und ich meine wirklich überall) gab es Menschen die alles zur Schau gestellt haben – und am liebsten sich selbst. Und ich rede hier nicht von zu vielen Tattoos oder vom „Socken in Sandalen“-Trend 😂. Männer in Kleidern, ok. Mit Lippenstift, von mir aus…Mit Lippenstift und Schnurres…ernsthaft? und so ging es immer weiter: Nagellack, Baseballschläger, mit High-Heels, auf nem Skateboard, Dock-Martens und Barfuß, Frisuren des Todes, Regenbogen-Haarfarben, Schminke wo auch immer, Frauen ohne und Männer mit BH’s, Körperbehaarung wo man sie nicht sehen möchte, Bauchfrei mit 100+ Kilo, und allen voran ungepflegte, ungewaschene aber natürlich „hey total liberale und gechillte“ Leute. Vielleicht bin ich zu alt oder zu spießig, aber zeitweise hab ich mich echt gefragt ob ich in der Stadt eigentlich der einzige Hetero, nicht „Diverse“ Mann bin. Wie gesagt, „Every Jack is different“ 😎, dennoch hoffe ich nicht dass das ein „Blick in die Zukunft“ war, und falls doch, wird es wahrscheinlich noch lange dauern bis das zur „Weiße-Hemden-weiße-Sneaker“-Fraktion in Ingolstadt durchdringt 😂.

Abgesehen von der Bevölkerung die mich echt hat staunen und erzittern lassen, hat die City jetzt irgendiwe nicht so viel hergegeben. Ja okey, es gab ein paar „nette Sträßchen“ mit dem obligatorischen „Öko-Bio-Homemade-Artesanal-Organic-Second-Hand-aber-bitte-laktosefrei“-Einzelhandel, in dem Frisör, Kaffee und Plattenladen vereint ist und natürlich selbstgemachte Seife verkauft wird, aber darüber kann ich in 2023 jetzt auch nur noch müde lächeln…

Immerhin muss man nicht auf einer 8-spurigen Straße spatzieren gehen, und das ist für ne Stadt in den USA ja schon n Highlight 😂. Nach zwei Tagen hatte ich auf jeden Fall genug gesehen, aber da ich den Roadtrip fast komplett vorgebucht hatte, „musste“ ich noch weitere Tage in der Stadt verbringen…kein Problem, die/der/das diverse Fokuhila-Latzhosen-Bedienung hat mich gut mit 9 $ Kaffee versorgt (hey, natürlich fully organic), und ich hab einfach mal eine kleine digitale Creative-Session eingelegt…schien mir sehr passend da in der Location 😂.

Nach 5 Tagen ging es dann weiter nach Seattle. Die Strecke dorthin war nice, die Stadt schon um einiges Großstädtiger. Die super bekannte Space-Needle musste ich aber wirklich suchen, da das Denkmal weder so hoch, noch so präsent ist wie ursprünglich angenommen…anyway, am zweiten Tag hab ich’s dann gefunden, und für geschmeidige 42 $ konnte ich dann auch die Aussicht genießen…(zum Vergleich: Die Aussichtsplattform auf dem Kölner Dom kostet 6€ und ist fast genauso hoch 😂). Ansonsten gab es noch wirklich viele architektonisch beeindruckende Gebäude und ein paar Sightseeing-Spots wie die die „Gum Wall“ oder die berühmten Markthallen…

Was wirklich schade ist: Portland sowie Seattle haben bestimmt ein ganz cooles Nightlife und ne nette Bar-Kultur, aber da ich die ganze Zeit alleine unterwegs war habe ich das leider nicht in Erfahrung bringen können. In den Hostels hatte ich diesmal auch weniger Glück und keinen Kontakt geknüpft…naja, beide Städte waren eine Erfahrung, auch wenn ich es mir anders vorgestellt hatte 😂. Nach ein paar Tagen Seattle war es dann aber so weit…kurz über die Grenze, zurück nach Vancouver und dann Monique vom Flughafen abholen um in unseren gemeinsamen Urlaub zu starten 🥳.

The land of the free 😎 (Teil 2)

Nach dem absolut beeindruckendem Yellowstone NP hieß es für mich weiter ziehen…erst mal quer durch Idaho, nach Boise (ausgesprochen: Boy-See).

Noch nie gehört? Gut, ich vorher auch nicht…es war auch mehr ein „notgedrungener“ Stopp, weil ich die gesamte Distanz bis zur Westküste nicht an einem Tag schaffen würde…also hab ich mir zwei Nächte in Boise eingeplant, um zumindest einen Tag ein wenig durch die Stadt zu schlendern und nicht wieder 8+ Stunden im Auto zu sitzen…aber wie so oft, es kam ein wenig anders als geplant 😉.

Die Fahrt als solches war schon ein Erlebnis, da ich gut die Unterschiede in den Bundesstaaten vor Augen geführt bekommen habe. War in Montana noch alles grün und ziemlich bergig, gab es in Idaho nur plattes, grau/gelbes Land…und das wirklich über Stunden…mal wieder ein Wow-Moment von „soo viel Fläche und so wenig Menschen hier“, den ich das letzte Mal gefühlt in Patagonien hatte…als kleiner Vergleich: Idaho hat ca. 60% der Fläche von Deutschland, aber nur knapp 2 Mio. Einwohner 😂. Wenn ich irgendwann im Leben nochmal meine Foto-Berge bearbeitet bekomme, gibts von der Fahrt auch ein paar visuelle Eindrücke (wobei das leider nicht so gut auf den Fotos rüber kommt).

Abends dann in der Hauptstadt angekommen, war wieder „business as usual“…einchecken im AirBnb, und mir erst mal was zu Essen suchen. Das klappt in Amerika ja zum Glück recht einfach, aber irgendwie hatte ich nicht wirklich Lust auf amerikanische Hausmannskost. Mein Airbnb-Host gab mir die Empfehlung eines „deutschen Delis“, und da ich nichts besseres gefunden habe bin ich da mal hin…was soll ich sagen: Jeder der Mal zufällig in Boise vorbei kommt, sollte dem Alpenhaus einen Besuch abstatten 😂. Wie zu erwarten war es ein Mix aller deutschen Regionen auf einmal, touristisch aufbereitet, um jeden der Mal in Deutschland war ein kleines Stück Heimatgefühl zu geben…gut dass ich im Westen geboren, in Süden gelebt, beruflich in den Norden muss und meine Freundin aus dem Osten kommt…so konnte ich mit den meisten der angebotenen Stereotypen etwas anfangen 😂. Nachdem ich dann mein Schnitzel mit Bratkartoffeln und Kölsch auf einer blau/weißen Tischdecke verspeist hatte, kam ich mit dem Wirt (Christoph) ins Gespräch. Er war Deutscher und irgendwie in Boise hängengeblieben…er gab mir ein paar Empfehlungen für die City und meinte dass wir später noch ein Bier trinken gehen könnten…ich hab ehrlich gesagt nicht dran geglaubt, aber da Samstagabend war wollte ich nicht direkt nach Hause sondern zumindest alleine noch irgendwo in die City.

Nach meinem ersten „einsamen“ Cocktail (ist immer wieder strange alleine in ner Bar zu sitzen, aber man gewöhnt sich dran) tauchte Christoph dann wirklich noch auf und wir haben den Rest des abends, bis morgens um 5 in diversen Läden, und später mit seinem Nachbarn bei ihm zu Hause verbracht…ein wirklich verrückter und unvorhergesehener Abend mit netten Leuten und lustigen Gesprächen. Für solche Momente liebe ich meine Reise…wann sonst hängt man irgendwo am A**** der Welt ab, geht zuerst in diversen College-Bars was trinken, hört schreckliche Live-Musik, um danach zu nem fremden Typen nach Hause zu gehen, deutsches Bier zu trinken, Peitschen zu schleudern, Schlangen zu streicheln und Shisha zu rauchen…verrückte Welt (manchmal) 😎. Die Realität hat mich dann aber am nächsten Tag direkt wieder eingeholt…der „40+ Kater“ kam ohne Gnade, und aus meinem Sightseeing-Day wurde dann ein Ausnüchterungs-Tag im Bett – immerhin war ich schon so vorausschauend und hatte zwei Nächte eingeplant, sonst weiß ich nicht wie ich den Tag überstanden hätte…

Wider Erwarten werde ich Boise in sehr guter und lustiger Erinnerung behalten…weiter ging es dann am Montag wieder halbwegs fit in Richtung Portland. Wer meine Reiseroute auf einer Karte nachverfolgen möchte kann das übrigens hier bei Google Maps tun.

The land of the free 😎 (Teil 1)

Eieiei…die USA und ich…das ist schon eine kleine Hassliebe…abgesehen von meinem Heimatland habe ich hier durch meine Auslandsaufenthalte in Princeton und San Francisco mit Abstand die meiste Zeit in meinem Leben verbracht…und das war auch der Grund warum ich auf meiner Weltreise eigentlich überhaupt nicht in die USA (Festland 😉) wollte.

Naja, durch meine eingeschlagene Route hat es sich dann doch irgendwie angeboten einen (mir unbekannten) Teil der USA mitzunehmen, denn so häufig komme ich wohl nicht mehr am Yellowstone Nationalpark vorbei. Den hatte ich schon länger auf der Liste, nur leider liegt er ziemlich abseits aller normalen Touristen-Pfade. Nach der beeindruckenden Landschaft am Icefield Parkway habe ich mich also weiter südlich, Richtung Eureka (Montana) aufgemacht. Beim Grenzübergang in Roosville kam schon die erste Überraschung: Es war nichts los, die Grenzbeamtin war super freundlich und der gesamte Einreise-Vorgang war in ca. 3 Monaten komplett erledigt…Ich weiß nicht ob es am Ort, oder an meiner Art des Aufenthalts lag (Kurzzeit-Tourist und nicht mit einem Arbeitsvisum), aber allzu gut kann ich mich noch an die stundenlangen Schlangen und Prozesse bei meinen früheren Einreisen in das „gelobte Land“ erinnern…weiter ging es erst mal nach Columbia Falls, in der Nähe des Glacier Nationalparks, für den ich ein paar Tage eingeplant hatte.

Ca. 800 USA-Flaggen und Pick-Ups später war ich in meiner Unterkunft – einem riesigen Wohnmobil im Garten des Inhabers – angekommen. Blöder Weise wurden meine ursprünglichen Pläne gleich durchkreuzt, da man für die Hauptroute („Going-to-the-Sun-Road“) den Eintritt vorreservieren muss (was mir mein Host leider nicht mitgeteilt hatte, und ich mich selbst auch nicht damit auseinander gesetzt hatte). Somit konnte ich vorerst nur den „Two Medicine“-Eingang ansteuern und da ein wenig Zeit verbringen, bevor ich ab 15 Uhr dann ohne Reservierung auch in den Rest des Parks durfte…Anyway, der Park war wirklich sehenswert, tolle Landschaften, ami-typisch gut mit dem Auto zu erkunden und die kurzen Tageswanderungen waren auch echt schön. Mit dem Bären-Spray meines Gastgebers habe ich mich auch recht sicher gefühlt 😬😜.

Nach der pitoresken Landschaft in Kanada hatte ich landschaftlich gar nicht so viel erwartet, aber da lag ich ziemlich falsch. Montana fand ich wirklich toll! Unendliche Weiten, schöne Landschaften, abwechslungsreiche Nationalparks, und die Menschen waren auch alle freundlich und entspannt…neben meinen geplanten Stopps hatte ich noch das Glück ein paar Tage bei und mit einem Local zu verbringen…eine Bekanntschaft, die ich knapp 5 Monate vorher bei einem Essen in Buenos Aires kennengelernt hatte. Was ein Glück. Mit ihr und ihrer Family durfte ich die richtige Montana-Experience erleben…auf einer Ranch, inkl. Reiten und Schießen 😂.

Danach ging es weiter in den Yellowstone…und was soll ich sagen…WOW, ein echtes Highlight. Ich habe direkt im Park übernachtet (musste ich ca. 9 Monate im Voraus buchen), und es war eine der teuersten Unterkünfte auf meiner Reise, aber es hat sich wirklich gelohnt. Ich hatte 4 volle Tage im Park, und selbst die haben nur bedingt ausgereicht…der Park ist wirklich groß, und je nach Location fährt man mal geschmeidige 3 Stunden um von einer „Sehenswürdigkeit“ zur nächsten zu kommen…beim nächsten Mal weiß ich Bescheid 😜.
Ich hab schon ein paar Nationalparks im Leben gesehen, aber der war wirklich „speziell“. Die abgeschiedene Lage, die geothermischen Vorgänge und die besondere Natur und Tierwelt war jeden Tag wirklich beeindruckend. Wasserfälle, Büffel, Geysire, und einfach nur unberührte Natur (zumindest abseits der 1000 Touris 😎). Ich bin super froh dass ich den Yellowstone mit auf meiner Route hatte!

Oh Canada…

Dann war es endlich so weit. Am 22.07. ging mein Flug von Cancun nach Vancouver – und ich war zum ersten Mal ohne Begleitung. Trotz der diversen Reisen dich ich schon gemacht habe war es irgendwie „aufregend“, jetzt nach so langer Zeit „on the road“ plötzlich keinen Menschen mehr neben mir zu haben mit dem ich die Erlebnisse teilen konnte.

Abgesehen von dieser Veränderung wartete dann endlich der zweite Abschnitt meiner Weltreise auf mich – mehr als 2 Monate mit dem Auto durch Kanada, USA und Hawaii 🥳. Ich habe mich sehr auf Kanada gefreut…das war schon lange ein Land auf meiner Liste und bisher waren alle Kanadier die ich bis dato kennengelernt hatte echt sympatisch.

In Vancouver angekommen hieß es erst mal eine Nacht zu überbrücken, bevor es am nächsten Tag weiter nach Vancouver Island (Victoria) ging. Vancouver City hatte ich mir für den Schluss meiner Kanada-Reise aufgehoben. Gesagt, getan, Mietwagen und Airbnb klar gemacht und am nächsten Tag ging es dann ohne große Umwege auf die Fähre und in mein erstes Hostel im 6er-Dorm-Room 😂. Was soll ich sagen, es war eine Erfahrung mit 40+ in so einer Location abzusteigen…und keine schlechte. Das anfängliche „I’m an Alien“-Feeling hatte sich schnell gelegt, nachdem auch weitere 40, 50, 60+ Leute oder Paare mit Kindern im Hostel unterwegs waren. Das Klischee, es wäre nur was für 20-jährige Lisas mit Abitur-Burnout kann ich aktuell zumindest nicht bestätigen. Im Zimmer habe ich dann gleich n netten Aussteiger-Dänen kennengelernt mit dem ich abends um die Häuser gezogen bin. Auch andere Zimmergenoss(in)en habe ich später in diversen anderen Hostels nochmal wieder getroffen.

Die Stadt Victoria fand‘ ich sehr entspannt nice, und da kam zum ersten Mal das „Alleine-auf-Weltreise-Feeling“ auf. Das obligatorische Whale-Watching hab ich – im strömenden Regen im offenen Boot – auch gleich mitgenommen (und wurde mit Orcas und Buckelwalen belohnt 😎). Ansonsten lief alles eigentlich wie erwartet…zumindest die ersten drei Tage 😂.
Nach Vitoria stand Tofino auf dem Plan…ein schönes Küstenstädtchen, irgendwo in Mitten von pittoresken Wäldern und mit tollen Ständen zum Surfen…so zumindest wurde es mir erzählt – leider habe ich es nie gesehen 😬. Auf meiner Fahrt dorthin war leider die Straße auf unbestimmte Zeit gesperrt (Wind und Waldbrände), und da es nur eine Straße gibt hieß es entweder warten, oder sich eine andere Lösung suchen. Da einige Locals mir im Stau was von „Übernachtung im Auto“ erzählten, habe den Plan dann spontan umgeschmissen und bin leider verfrüht von Vancouver Island abgereist. Zum Glück hat mit der Fähre alles geklappt, so dass ich mein nächstes Ziel, Whistler, in den Abendstunden noch anfahren konnte. Durch den Wegfall von Tofino hatte ich ganze 5 Nächte in Whistler, und hab es recht langsam angehen lassen. Das Städtchen (vielleicht bekannt von den Olympischen Winterspielen 2010) war ganz süß, nur leider komplett mit Fahrrad-Verrückten überfüllt wegen eines 9-tägigen Mountainbike-Events. Anyway, ich hab die Zeit genutzt um ein wenig zu Wandern, mir die üblichen Touri-Highlights zu geben, oder einfach im Kaffee zu sitzen und ein wenig digitalen Kram zu machen – mega, so hatte ich mir die Weltreise vorgestellt 😎.

Von Whistler gings weiter nach Jasper, dem nächsten Nationalpark und dem nächsten Highlight. Auch hier war natürlich wieder ein Hostel mit Mehrbettzimmer angesagt, aber daran hatte ich mich schon fast gewöhnt. Wie sehr man plötzlich zu schätzen weiß wenn man mal seine 5min Ruhe hat oder einfach mal „gut“ schlafen kann 😂. Jasper ist der Beginn des „Icefields Parkway“, eine Scenic Route innerhalb der Rocky Mountains. Die nächsten Tage war ich also wieder damit beschäftigt mir diverse Seen und Wasserfälle in den Bergen anzuschauen. Auch wenn das Wetter nicht immer auf meiner Seite war, die Landschaft in der Region ist echt traumhaft. Nebenbei hab ich dann auch noch n Bären und ein paar Elche gesehen, denen man beiden lieber nicht zu Nahe kommt 😂.

Neben den üblichen Sights war alles ziemlich entspannt. Sprache, Kultur & Umgang ist dann doch recht „bekannt“ und daher wirklich einfach…was mich wieder umgehauen hat waren die Preise. Ich weiß nicht ob Deutschland einfach so günstig ist, oder ob ich falsche Vorstellungen habe, aber die üblichen 8 $ Kaffee oder 60 Euro für n 6-Bett-Zimmer waren normal…

Die nächsten Tage ging es den besagten Icefield Parkway hoch und runter, bis ich schlussendlich dann meine nächste Unterkunft in Banff hatte. Auch hier wieder mehrere Tage, und auch hier habe ich wieder nette Leute im Hostel kennengelernt mit denen ich gemeinsam den Abend mit ein paar Bierchen und Kanadisch-Amerikanisch-Deutschen-Stereotype-Gesprächen verbracht habe 😂. In Banff ging es dann übrigens noch zu den absoluten Kanada-Insta-Spots, nämlich Lake Louise und Moraine Lake. Ich hatte schon 1000.de Fotos auf den üblichen Foto-Pages gesehen…und die Realität ist natürlich „anders“ 😂. Touri-Massen, kein Sonnenaufgangs-Licht, kein Photoshop…aber dennoch, man sollte ja mal da gewesen sein. Was ich mir übrigens gespart habe war das Kanu-Rental auf einem der Seen. Wird immer als Top 1 ToDo angepriesen…für geschmeidige 50, nein, 100, nein, 140 (!!) Kanadische Dollar (+ Tax), also ca. 110 €. Die spinnen die Kanadier. Ich hab mich in dem Moment gefragt ob es überhaupt irgend eine Touri-Attraktion in Europa gibt die 100+ Euro für eine Stunde kostet…mir ist keine eingefallen…

185 Tage…

…oder genauer gesagt 6 Monate bin ich (seit gestern) unterwegs.

Wow, ein halbes Jahr, und natürlich ist viel passiert in der Zeit. Mein letzter Post ist leider auch schon ein paar Tage her, aber irgendwie habe ich mir selber andere Prioritäten gesetzt als meine Geschehnisse und Gedanken hier festzuhalten. Ich weiß, ich werde es im Nachhinein bereuen 😂.

Bei meinem letzten Eintrag saß ich noch (mit Eric) auf den Galapagos-Inseln, und selbst da war ich von der Storyline noch irgendwo in Peru stehen geblieben. 3 Monate (und ein Serverumzug) später sitze ich aktuell auf Hawaii und werde nächste Woche den Flug nach Tokio antreten. Ist ist wahrscheinlich recht unrealistisch dass ich die ganze Route nochmal textuell festhalte, daher gibt’s jetzt – für mich, und für alle die es interessiert – die Kurzzusammenfassung:

Peru:
Nach La Paz in Bolivien ging es über Puno (Titikakasee) und Cusco zum nächsten Highlight: Dem 4-tägigen Inca-Trail zum Machu Picchu. Wow, was für ein Erlebnis. Natürlich tritt man den Trail erst mal an, um den Machu Picchu zu sehen…im Laufe der Tage wird aber schnell klar – der Weg ist das Ziel #Kalenderspruch 😂. 3 Nächte komplett außerhalb der Zivilisation, im Zelt ohne Wasser & Strom, morgens um 5 mit gepackten Sachen und im Dunkeln irgendwelche Wanderwege in der Wildnis durchschreiten…als wir dann am vierten Tag pünktlich zum Sonnenaufgang am „Sun Gate“ standen und den ersten Blick auf die Inca-Ruine hatten, war das ein typischer „ich frecke“-Moment 😂 .
Richtig skurril wurde es dann als wir auf die ersten Bustouristen trafen, die geschminkt und im schicki-micki-Dress ihre Duck-Face-Selfies machten, während unsere Gruppe ungeduscht, müde und ziemlich fertig daneben stand.

Nach dem Inka-Trail ging es dann über Arequipa zur Oase Huacachina zum Sandboarden, bevor wir nach Lima kamen. Unseren ursprünglichen Plan, von dort nach Brasilien zu fliegen hatten wir mittlerweile verworfen, und uns lieber dafür entschieden weiter an der Westküste zu bleiben, und Richtung Norden nach Ecuador zu reisen. Gesagt, getan, nach ein paar Tagen in der Hauptstadt (übrigens ziemlich unspannend) ging es weiter nach Trujillo (bzw. Huanchaco), um ein wenig Beach-Feeling zu schnuppern und uns Chan Chan anzusehen. Nie gehört? Ich vorher auch nicht, aber für mich war’s ein trauriges Beispiel von der heutigen Insta-Welt (oder einfach „Marketing“). Während alle Touris die üblichen 2-3-4 „Insta-Places“ besuchen und überlaufen, gibt es so eine wirklich beeindruckende Städte wie Chan Chan, in der gerade mal eine Handvoll Menschen sich auf dem riesigen Areal verteilen – so ganz ohne Reisebusse, ohne Orga, ohne Merchandising. Anyway, ist empfehlenswert 😎.

Weiter ging es ein wenig in die Berge, nach Cajamarca (das Highlight dort ist eine große Regenrinne 😂), um dann weiter nach Máncora zu fahren, dem angeblichen Beach-Hotspot in Peru. Ich sag mal so, ich hab schon spannendere Orte (und Beaches) gesehen 😜.

Ecuador:
War aber nicht dramatisch, denn unser nächstes Ziel, die Galapagos-Inseln, standen uns bevor. Eigentlich hatte ich die (während meiner Planungsphase in Deutschland) überhaupt nicht auf dem Schirm, aber nachdem wir sowieso Richtung Ecuador unterwegs waren, kann man die ja mal mitnehmen 🥳. Die Kurzzusammenfassung: Schöne Inseln, für Ecuador natürlich relativ teuer (aber nichts gegen Hawaii 😂), und gar nicht so „öko“ wie ich (naiver Weise) gedacht habe. Auch da fahren Autos, liegt Müll auf der Straße, und es werden abends laute Paraden direkt neben dem Seelöwen-Strand abgehalten – also alles nicht so „im Sinne der Natur“. Abgesehen davon war die Tier- und Pflanzenwelt schon üppig und beeindruckend. Die Schnorchel-Tour war ein besonderes Highlight.

Der letzte Stopp in Südamerika war dann Quito, die nächste südamerikanische Hauptstadt…Noch kurz zum Mitad del Mundo, bevor der erste Teil meiner Reise nach 113 Tagen endete. Eric flog zurück nach Hause, und ich weiter nach Cancun, um mich (mit Monique) von den Strapazen der letzten Monate zu erholen 😂. So schön, spannend, abwechslungsreich, witzig und „lehrreich“ der erste Teil in Südamerika auch war, so froh war ich trotzdem dass er zu Ende war. Irgendwie hat es mir gereicht…die Sprache, die Kultur, das (meist schlechte) Essen, die Nicht-Organisation usw. usw. Klar, das gehört alles zum Reisen dazu (und war auch überwiegend „unterhaltsam“), aber nach knapp 4 Monaten war es dann auch schön eine Veränderung zu haben.

Als Fazit für Südamerika kann ich aber sagen, dass es anders war als angenommen. Das ganze Thema Sicherheit (bzw. die Bedenken) war überhaupt nicht vorhanden, uns ist nichts passiert, wir waren nie in „brenzlichen Situationen“ und alle Menschen waren immer freundlich, hilfsbereit und ehrlich (z.B. Taxifahrer mit dem Rückgeld). Klar bin ich abends auch nicht mit iPhone und Spiegelreflex durch dunkle Gassen in den falschen Vierteln unterwegs gewesen, aber auch die ganzen Warnungen des auswärtigen Amtes (z.B. zur Nutzung von Nachtbussen) kann ich nicht bestätigen. Zum Glück 😜! Ansonsten war es irgendwie „anders“, ansatzweise touristisch aber dann auch wieder ziemlich zurück geblieben. Ohne Spanisch geht wirklich nix, und kulinarisch war es gewöhnungsbedürftig. Ich habe in der Zeit viel Gutes über Kolumbien gehört, vielleicht steht das in Zukunft noch auf meiner Liste.

Mexiko:
Der kurze (11 Nächte) Stopp in Mexiko galt vor allen Dingen dem Wiedersehen und der Erholung. Wir waren in Tulum, angeblich ein gechilltes laid-back-Städchen, abseits von dem Touri-Trubel in Cancun. Ich habe Cancun nie gesehen, aber Tulum muss ich auch nicht nochmal sehen. Die City war eine reine Baustelle, Hotels und Anlagen an allen Ecken, alles war nur auf Touris ausgelegt und die Preise waren jenseits von gut und böse. Eine Kugel Eis für 8$ oder eine Taxifahrt zum Strand (10min) für 50$ ? Danach weiß man die günstigen Preise auf den Galapagos-Inseln gleich zu schätzen 😂. Hinzu kamen noch wirklich unfreundliche (und abzockende) Mexikaner (Airbnb, Taxifahrer, etc.), und fertig ist die „Danke, nicht nochmal“-Recommendation 😎. Egal, die Zeit war aus anderem Grunde schön und nach dem kurzen Wiedersehen hieß es für mich dann auch endlich mal „alone on the road“. Next Stopp: Vancouver, das aber im nächsten Posting 😎.

P.S. Eine wirkliche Überraschung: Wer hätte gedacht, dass meine Blogeinträge mich an die Arbeit erinnern 😂. Wasserfall funktioniert nicht – auch hier nicht, ich versuche mal auf Agile umzusteigen. Anstatt alle paar Wochen die großen Romane zu verfassen, versuche ich es mal mit 10min täglich (oder alle 2-3 Tage 😎). Vielleicht klappt das besser, um auf dem laufenden zu bleiben…we’ll see 😎.

Ein ganz normaler Tag…

Na dann „Guten Morgen“ denk ich mir, wobei sich „gut“ erst mal herausstellen muss, und Morgen ist auch ziemlich übertrieben…

Ich wache auf, sofern man im Nachtbus von Schlaf reden kann. Keine Frage, der Komfort ist wirklich gut und die „Schlafsitze“ sind auch echt ne Erfahrung wert…allerdings gibt es leider „irgendwas“, was einen von einer geruhsamen Nacht abhält. Ganz oben auf der Liste stehen Menschen die gerne alle anderen im Bus an ihrem Telefonat, oder wahlweise an ihrer spanischen Soap-Opera teilhaben lassen möchten; denn Kopfhörer scheinen hier wenig Anklang zu finden, dafür umso mehr der Lautsprecher des Handys.

Ansonsten gibt es gerne noch tropfende Klimaanlagen, vibrierende Metallteile oder diverse Shopping-Einlagen, in denen verkaufstüchtige Frauen mit bunten Tüchern in den Bus steigen und lautstark ihr Produktportfolio für kleines Geld anbieten. Obst ist da noch das harmloseste, gerne auch selbstgemachtes Eis oder Gebäck, nicht definierbare Getränke in Plastiktüten oder Fleisch mit Beilage, was live vor den Augen (mit einem Beil) zerteilt und portioniert wird…na dann gute Nacht ?.

Immerhin, wir sind am Zielort angekommen, ohne große Zwischenfälle und sogar mit unserem Gepäck. Was will man mehr. Nachtbus, der hat wohl seinen Namen weil man nicht durch die Nacht fährt und morgens ankommt, sondern weil man gerne auch mitten in der Nacht ankommt ?. 

Der erste Eindruck des Zielortes ist meist ähnlich…Alles etwas verschlafen und schmuddelig, aber was kann man von einer Bushof-Gegend um 5 Uhr morgens schon erwarten. Weiter gehts in die Empfangshalle, und die macht ihrem Namen alle Ehre. 

Mindestens 10 Männer buhlen mit ihren lautstarken „Taxi Taxi“-Rufen um unsere Gunst…Müde entscheiden wir uns für den „seriösesten“, aber unter den Blinden ist der Einäugige ja bekanntlich König ?. Weiter gehts zu seinem Arbeitsgerät…meist ein schäbiger, verbastelter Kleinwagen Marke „Made in Asia“. Gerne mit blau/rot blinkenden Frontlichtern und ohne Sicherheitsgurte…Egal, wir sind froh drin zu sitzen und unserem Ziel, dem Hostel, ein Stück näher zu kommen.

Und los geht die wilde Fahrt…Verkehrsregeln sind hier eher Auslegungssache, aber wichtig scheinen hier zwei Grundregeln zu sein:

1.) Große Kreuzungen sind immer zum drauffahren da, unabhängig von der Ampelphase oder des entwickelnden Rückstaus. Seltsam, und dann wundert man sich dass nichts vorwärts und rückwärts geht…aber dafür haben die Automobilhersteller ja dankenswerter Weise die Hupe entwickelt, denn damit geht es ja bekanntlich schneller ?.

2.) Kleine Kreuzungen werden sowieso überfahren…Vorfahrt oder nicht, das hab ich hier noch nicht rausgefunden…aber zum Glück gibt es auch hier die Hupe, denn damit wird die Überfahrt an der jeweiligen Kreuzung angekündigt. Selber Schuld wenn man da noch Vorfahrtsregeln braucht ?.

Nach 20-30 Minuten Taxifahrt für 2-3 Euro im Hostel angekommen, müssen wir meist noch ein paar Stunden bis zum Einchecken überbrücken, bis wir dann die nächste Überraschung erleben dürfen…und das kann wirklich alles sein:
Super nette, kleine Oasen mit liebevoller Einrichtung und freundlichen Inhabern, bis hin zu „dem letzten Loch“…dazwischen ist die Spanne recht vielseitig ?. Zu kurze Betten, kratzige Wolldecken-Berge als Bettdecke, kalte Duschen, Röhrenfernseher aus dem letzten Jahrtausend, Toiletten auf Kniehöhe, dafür Steckdosen unter der Decke…und wirklich überall: Türen und Fenster die – wenn überhaupt – nur als Sichtschutz und nicht als Schallschutz dienen. Das ist wirklich faszinierend: Beim Bau wird wohl ein Loch in der Wand gelassen…und das wird mit einem Stück Holz befüllt…fertig ist die Tür oder Fenster, egal wie groß die Lücke dazwischen ist. Dementsprechend hat man es auch mit der „Privatsphäre“, da man wirklich alles hört was abseits des Zimmers so abgeht (und wahrscheinlich umgekehrt).

Nachdem wir uns mit den – teils amüsanten – Gepflogenheiten der neuen Bleibe vertraut gemacht haben, geht es zum „Plaza de Armas“, dem Marktplatz in Stadtmitte an dem sich das (touristische) Leben abspielt. Auch hier kann man eigentlich nur staunend das „Leben der Anderen“ beobachten. Egal welcher Wochentag und welche Uhrzeit, der Platz ist meist recht gut gefüllt…Bettler die nach ein paar Cents fragen, Verkäufer:innen die einem (mal wieder) dubiose Getränke aus Eimern verkaufen wollen, Schuhputzer, Frauen in den landestypischen Woll-Schicht-Gewändern und Hüten, Schülergruppen in Uniformen und vielleicht auch mal der ein oder andere Tourist…generell sieht man davon allerdings eher wenig.

Ein ToDo in jeder neuen Stadt ist dann die Suche nach einer Tour zu nächsten Sehenswürdigkeit. Touranbieter gibt es grundsätzlich mehr als genug, und nach dem dritten „Infogespräch“, was meist wilde Kuli-Kreise auf irgendwelchen Infobroschüren hinterlässt, stellen wir wieder fest: Es ist wirklich alles der selbe Schmarn. Die gleichen Abfahrtszeiten, die selbe Route, die selben Stops an den selben „Highlights“. Einzig im Preis unterscheiden sie sich geringfügig, je nach Sympatie, Verzweiflung oder Verhandlungsgeschick. 

Nach der mittlerweile 10.ten Tour wissen wir auch – es sind nicht zufällig die selben Infos, denn am Ende werden die Touris alle in den selben Bus gesetzt und fahren alle gemeinsam, unabhängig davon wo man gebucht hat ?. Hört sich ganz lustig an, ist aber leider echt traurig. Ich weiß nicht wer den Anbietern gesagt hat dass die Touris gerne viel Zeit mit Frühstücken, Pinkelpausen, Snacks und weiteren „sinnlosen“ Zeitschindereien verbringen anstatt einfach „nur“ straight zur Sehenswürdigkeit zu fahren. Ein wenig Individualismus würde den Touren auch wirklich gut tun…so hätte man zumindest ansatzweise das Gefühl von ein wenig Auswahl…

Na gut, „hilft ja nix“ wie man in Bayern sagt, wieder beim „seriösesten“ Anbieter die Tour gebucht und weiter im Text. 

Nach ein paar weiteren Stunden „Stadt erkunden“ gehts dann auf die Suche nach einem geeigneten Abendessen. Nach mittlerweile ca. 90 Restaurantbesuchen in Südamerika kann ich nur sagen…WOW, der Wahnsinn, und damit mein ich nicht das Essen ?. 

Jeder der ein wenig Spaß an „Situationskomik“ hat, oder einfach den Moment gerne aus einer gewissen Vogelperspektive beobachtet und sich dabei selbst nicht so ernst nimmt, hätte seine wahre Freude an der Vielzahl der „Was-ist-hier-eigentlich-los-Momente“ ?.

Es ist mir leider unmöglich das alles wiederzugeben, aber Restaurants scheinen hier auch eher als „Hobby“ betrieben zu werden…gut, mit Speisekarten und deren Aufmachungen fang’ ich gar nicht erst an, ich glaub da bin ich wahrscheinlich eher „speziell“. Aber abgesehen davon…Stühle, Tische, Lampen, Deko, Speiseauswahl, Bedienung, Bezahlvorgang, usw…einfach „alles“ wirkt hier wie eine Überraschung für die Lokalität. Essen gemeinsam servieren? Nein, leider nicht. Salzstreuer? Oh, haben wir nicht. Salatdressing? Wo denkst du hin. Eine Inneneinrichtung bei der nichts zueinander passt? Yes! Lieber aufs Handy als nach den Gästen schauen? Aber sicher! Ein Tablett nutzen anstatt alles einzeln zu tragen? Fehlanzeige. WLAN-Passwort? Wird mit Bleistift auf ein abgerissenes Stück Papier geschrieben. Bezahlen mit Karte? Dauert mit 3 Personen gerne auch 10 Minuten….usw. usw. Die Liste ist wirklich unendlich und fast schon ein tägliches Highlight in den Südamerika-Erlebnissen. Dabei sind es wirklich keine Einzelerlebnisse, sondern ziehen sich von Tag zu Tag durch die gesamte Reise. Wir haben mittlerweile schon das geflügelte Wort „Ahh, erster Tag“ zwischen uns eingeführt, da es jedes Mal aufs neue den Eindruck eines „ersten Arbeitstages“ hat.

So amüsant es sich anhört (und auch wirklich ist), so kommt da doch das deutsche Unverständnis in mir hoch. Wie kann man so leben? Wie kann man so einen Laden führen? Und ist DAS wirklich das Beste was du machen kannst wenn du daran denkst ein Restaurant aufzumachen? Ist das hier der eigene Anspruch der Menschen an ihre Tätigkeit? Kein Konzept, keine Prozesse, keine Professionalität, keinen Stil, keine Liebe zum Detail…dabei wäre es wirklich so leicht sich positiv gegenüber der Masse abzuheben. Verrückte Welt, verstehe ich nicht.

Anyway, nach einem – mehr oder weniger – erfolgreichen Abendessen ist der lange Tag auch schnell vorüber und die nächsten „Besonderheiten“ lassen bestimmt nicht lange auf sich warten ?. 

Dieser Einblick in einen „ganz normalen Tag“ ist natürlich etwas überspitzt und auch sehr verdichtet, aber alles hat sich so ereignet und beschäftigt und umgibt uns auch jeden Tag in der ein oder anderen Art und Weise.

Die bekannten Touri-Attraktionen wie Uyuni, Atacama, Machu Picchu & Co. sind natürlich beeindruckend und von Interesse (vor allem für die daheim gebliebenen), aber das „tägliche Leben“ ist mindestens genauso spannend, interessant und dabei noch viel unterhaltsamer.

High in the Sky…

Ei ei ei…jetzt sind ein paar Wochen „ins Land“ gegangen…zwar mit einigen Geschehnissen, aber mit wenig Zeit, Muße oder Möglichkeit zum Bloggen.

Also, was ist passiert…nach der wirklich beeindruckenden Uyuni-Tour haben wir uns in den erstbesten Bus gesetzt und sind weiter in Richtung bolivianische Hochland gefahren. Alleine die Busfahrt war schon wieder eine Erfahrung für sich…aber egal, nach einigen Stunden kamen wir wohlbehalten in Potosí – eine durch ihr Silbervorkommen ehemals reichste Stadt der Welt – an.

Hier hatten wir ein paar Nächte, und wollten die dazugehörigen Tage auch „sinnvoll“ nutzen…allerdings kamen wir nicht dazu. Der Aufenthalt auf ca. 4000 Meter hat uns so umgehauen, dass selbst das Schuhe binden zu anstrengend war. Es war meine erste Erfahrung mit so einer Höhe…und ich war wirklich überrascht dass es einen gesunden Menschen so beeinflussen kann. Wir waren konstant aus der Puste und hatten uns deshalb dazu entschieden keine Tour in die Silbermine zu machen, sondern lieber ein Eis auf dem Marktplatz zu essen ?.

Unser nächster Stopp hieß Sucre (aka „die weiße Stadt“) in der wir sowieso ein paar Tage „Pause“ eingeplant hatten. Erst mal mussten wir allerdings dorthin kommen, und das stellte sich wider erwarten als kleine Hürde dar. Unser Tranfer-Tag sollte der 01. Mai sein, und der ist sogar in Bolivien ein landesweiter Feiertag. Dadurch war selbst der (sonst so rege) Bushof wie ausgestorben, und wir mussten nach Alternativen suchen um die knapp 3 Stunden Fahrt (155km) irgendwie zu überbücken. Gesagt – getan, wofür gibt es fleißige „Taxifahrer“ die liebend gerne dumme Touristen für zu viel Geld durchs Land kutschieren…ein geeigneter Kandidat war schnell gefunden, da hier alles über ein lautes Stimmorgan funktioniert. Am Bushof wird jede Verbindung lautstark angepriesen, auf den Märkten werden die Waren schreiend angeboten, und am Taxistand wird man angebrüllt wenn man von A nach B kommen möchte ?. Also, einfach immer den Ohren nach – dann findet man schon zum Ziel. Nach kurzer Verhandlung war das finanzielle auch geklärt, und wir saßen für 20 € im „Taxi“ nach Sucre.

Ich hab ja schon ein paar Autos gesehen in meinem Leben, aber das was in Bolivien rumfährt ist echt n Highlight. Hier ist kein Auto auch nur in Ansätzen „Original“, einen TÜV scheint es natürlich nicht zu geben und dass diese Teile überhaupt noch vorwärts fahren grenzt an ein Wunder. So auch unser „Taxi“, Fabrikat „unbekannt“, dafür ein dicker Auspuff, rausgestellte Reifen (ohne Profil), und als besondere Sonderausstattung wurden alle Gurte entfernt ??‍♂️…ich mein, Tuning, okey, das kann ich ja nach ansatzweise nachvollziehen, aber WARUM entfernt man bitte die Gurte im Auto??? Der Sicherheitsgedanke wurde leider auch dadurch nicht weiter verstärkt dass das Auto bei 13-14 Uhr Stellung des Lenkrads geradeaus fuhr, in regelmäßigen Abständen die Reifen am hinteren Radkasten aufsetzten und der Fahrer natürlich gerne noch parallel ein paar Whatsapps beantwortet…gut, no risk no fun, wieder eine der kurzen „Was mache ich hier“-Momente ?.

Wenn man das ausblendet war es aber wieder völlig einfach und unkompliziert…an einem Feiertag für wenig Geld in einem privaten Taxi bis zur Tür gefahren zu werden – was will man mehr ??‍♂️.

Gut, in Sucre heil angekommen hatten wir 6 Tage/Nächte „Urlaub“ eingeplant. Die Stadt sollte ganz schön aber unspektakulär sein, und wir wollten nach den bisherigen Eindrücken einfach mal ein paar Tage Pause machen. Dafür hatten wir uns ein Airbnb (und kein Hostel) genommen…und ich muss sagen: Was ein Luxus wenn man sein eigenes Zimmer, Bad und Küche hat ?. Wirklich schön, wieder die kleinen Dinge schätzen zu lernen, z.B. sein eigenes Essen kochen zu können. In Sucre selbst haben wir wirklich wenig gemacht…ständiger Begleiter ist allerdings die weitere Reiseplanung: Wo geht es hin, wie lange brauchen wir, was gibt es dort zu tun, wie kommen wir dahin und wo schlafen wir…Was für einen normalen 1-2-3-wöchigen Urlaub schnell gemacht ist, braucht für 2-4-6 Monate doch etwas mehr (und kontinuierlich) Zeit ? . So haben wir unsere ursprüngliche Route (Ende in Rio de Janeiro) mittlerweile über den Haufen geschmissen und werden nach Peru weiter nordwärts nach Ecuador reisen. Kurzzeitig war auch Kolumbien auf dem Plan, allerdings schaffen wir das zeitlich nicht. Dafür haben wir als neues Highlight die Galapagos-Inseln eingeplant die wir kurz vor Ende der Zeit in Südamerika noch einbauen werden ?. Wenn man schon mal „in der Gegend ist“ sollte man die ja auch mitnehmen ?.

Nach der kleinen Erholungsphase in Sucre (übrigens auch auf knapp 3000 Meter) ging es dann mit dem Nachtbus weiter nach La Paz. Die Stadt hat mich sehr positiv überrascht. Eine Stadt in den Bergen, selbst auf knapp 4000 Metern gelegen und gesäumt von diversen Bergen über 6000 Metern. Wahnsinn. Und was für ein Gewusel…knapp 2 Mio. Menschen (zusammen mit El Alto), und wie das gemeinsam funktioniert ist mir echt ein Rätsel. Eine „Sehenswürdigkeit“ sind die Vielzahl der Märkte in La Paz…und die haben wir uns natürlich auch angeschaut. Es ist wirklich nicht zu beschreiben. Supermärkte sind echt unnötig…weil hier gefühlt ALLES auf den Märkten verkauft wird. Allen voran Lebensmittel in jeglicher Form, aber auch sonst alles von Möbeln, Toilettenspülungen, lebendige Tiere bis hin zu Motorblöcken. Eben alles was man im täglichen Gebrauch so benötigt ? . Wirklich total verrückt.

Abgesehen davon ist die Stadt eigentlich „hässlich“…unendliche Häuserschluchten aus Backstein…ohne Putz, ohne Farbe, ohne nix…anfangs hab ich mich gewundert warum hier so viele Häuser im Rohbau sind, bis ich herausgefunden habe dass sie hier „fertig“ sind. Ein paar Ziegel aufeinander, eine Tür und ein bisschen Glas in die offenen Löcher – und fertig steht das bolivianische Ein- oder Mehrfamilienhaus…wow. Anyway, die Lage, die Menschen und die Aussicht ist schon wirklich was besonderes…getoppt wird das ganze Stadtbild auch noch von der größten städtischen Seilbahn der Welt. Da „normaler“ Public Transport schwer funktioniert wenn man 1000 Höhenmeter zu überwinden hat, gibt es hier eine riesige Seilbahn mit mehreren Linien die die unterschiedlichen Stadtteile miteinander verbindet. Sah alles sehr neu aus und hat reibungslos funktioniert. Hat mich auf jeden Fall mehr beeindruckt als die 15 zum Rudolfplatz ?.

Neben den üblichen Stadt-Sightseeing-ToDo’s hatten wir noch eine „Death-Road„-Tour gebucht. Die Straße galt als eine der gefährlichsten der Welt, und ist daher mittlerweile nur noch für Fahrräder geöffnet. Früher starben bis zu 300 Personen jährlich auf der Strecke, und jetzt weiß ich auch wieso. Die knapp 80 km Downhill irgendwo im bolivianischen Hochland/Dschungel waren der Wahnsinn. Dass da überhaupt Autos langgefahren sind spricht wieder sehr für das bolivianische Sicherheitsdenken ?. Eine enge Schotterstraße die sich um den Berg schlängelt, schlechte Sicht, ein paar Wasserfälle zwischendurch, keine Leitplanken o.ä. und am Abgrund geht es teilweise hundert(e) Meter in die Tiefe…crazy, aber mit dem Fahrrad war es ein Abenteuer! Nach dem mehrstündigen Trip war ich auch echt fertig, aber es hat sich gelohnt ?.

Weitere Touren haben wir uns aus finanziellen und zeitlichen Gründen gespart, so dass es für uns ein paar Tage später zum nächsten Halt – zum Titikakasee an der Grenze zu Peru – ging.

San Pedro de Atacama

Yes, nach dem Torres ging es zu einem weiteren meiner persönlichen Highlights: In die Atacama-Wüste! Wirklich verrückt, dass beide Abschnitte im selben Land liegen…nur durch knappe 3500 km getrennt ?.

Wenn ich an Wüste denke kommen mir erst mal endlose Mengen Sand in den Sinn…dass das auch ziemlich anders sein kann habe ich hier mal wieder festgestellt ?.

Nach unserem Aufenthalt in der Hauptstadt sind wir erst mal in den Flieger gestiegen. Dieses Mal hieß das Ziel Calama, ca. 1,5 Std. von San Pedro de Atacama entfernt. Ich weiß nicht was in Calama selbst so geht, immerhin hat die Stadt in der Mitte von Garnichts auch 150.000 Einwohner, wir haben allerdings nur den Flughafen zu Gesicht bekommen. Ursprünglich war die Idee mal wieder einen Mietwagen zu nehmen um autark zu sein und selbst die Hotspots (<– ?) abzufahren. Da die Verfügbarkeit aber recht begrenzt war, und es auch sonst ein zu großer Aufwand gewesen wäre das Auto wieder nach Calama zurück zu bringen, haben wir den Plan schnell verworfen und uns entschieden diverse Tagestouren zu buchen.

Der Weg nach San Pedro war mal wieder mehr als einfach. Überall dort wo Touris sind, gibt es auch Touri-Angebote. Raus aus dem Flughafenschalter, und schon stehen diverse Estebans da rum und winken mit ihren Transfer-Schildchen. Für ein paar Euro (ich glaube 20 p.P. ?) sitzt man dann Minuten später in einem klimatisierten Kleinbus und wird ins Wüsten-Mekka kutschiert.

Dort angekommen, war ich mal wieder sehr überrascht…ja, es ist natürlich sehr warm und trocken…aber ansonsten hat es sich auf den ersten Blick wenig von anderen, „normalen“ Orten unterschieden. Es gab Geschäfte (oder sowas in der Art ?), Schulen, Kneipen, Restaurants…und das Hostel war eines der schönsten auf unserer bisherigen Reise. Dennoch hat mich San Pedro irgendwie fasziniert. So „normal“ es auf der einen Seite schien, so sehr erinnerte es mich an eine Mischung zwischen Las Vegas und Mad Max. Die Stadt lebt von (und mit) seinen Touristen, und alles fokussiert sich auf eine „Hauptstraße“ (ich nenne sie mal: The Strip ?) auf der sich diverse Arten von Reisenden durch den Staub schlagen. Hier trifft die 60-jährige Gudrun in Wandersandalen auf die voll-tätowierte und zugekiffte 20-jährige Lisa in Hippiehosen…und beide haben nur ein Ziel: Bei den ca. 50 Touranbietern eine der ca. 10 unterschiedlichen Touren zu buchen die aber überall exakt gleich sind ?. Jeder Anbieter hat hier die selben Busse, fährt die selben Orte an und nimmt so ziemlich das gleiche Geld dafür. So zumindest unser Eindruck nach ein paar Gesprächen mit anderen, diversen Flyern und ein paar Recherchen…

Wir haben es uns daher leicht gemacht und bei unserem Hostel-Menschen „Rodriguez“ gebucht. Das ging sehr unkompliziert und war – soweit ich das abschätzen kann – qualitativ nicht schlechter. Wir hatten 6 Tage vor Ort, diese waren aber durch die ganzen Touren recht ausgefüllt. Auf dem Plan standen:

1.) Valle de la Luna
2.) Valle Arcoiris
3.) Lagunas Altiplanicas & Piedras Rojas
4.) Stargazing Tour
5.) Uyuni Tour

Ohne jetzt zu sehr ins Detail zu gehen. Die Touren waren alle beeindruckend…manche mehr, manche weniger…und selbst wenn das eigentliche Ausflugsziel nicht so spannend war, so war es die Gesamtheit der Situation. Es ist wirklich zum brüllen und ich habe mit Eric meine wahre Freude daran…jeden Tag aufs neue pferchen sich im Morgengrauen 100.te Touristen in kleinen 10er Grüppchen zusammen in den für sie vorgesehenen Tourbus, bekommen von ihren „ach so gut gelaunten Guides“ auf gebrochenem Englisch (oder wahlweise Spanisch oder Portugiesisch) die wichtigsten Infos zum Ziel mitgegeben und versuchen sich dann untereinander mit immer den selben Smalltalk-Fragen zu connecten. Wirklich, darüber muss ich mal gesondert schreiben, aber viel interessanter als die ganzen „Sehenswürdigkeiten“ sind einfach die Menschen & Situationen die damit einher gehen…ich hoffe WIRKLICH dass ich das mal schaffe „zu Papier zu bringen“.

Zu den jeweiligen Touren gibts die Fotosets zur Veranschaulichung…ansonsten war nicht viel Zeit, außer dass ich mich mal in die Stadt begeben habe um „bewusst“ ein paar Menschen zu fotografieren…das war auch sehr nice (und anstrengender als Landschaft ?)…die Ergebnisse gibts dann auch bald im dazugehörigen Photoset.

Trotz dass wir recht aktiv waren, so habe ich mich doch ein wenig geärgert keinen Mietwagen gehabt zu haben. Die Gegend um San Pedro ist wirklich einmalig, und trotz dass es eine Wüste ist, so ist genügend Infrastruktur vorhanden um auf eigene Faust mit dem eigenen Wagen die entsprechenden Punkte anzufahren. Mich hätten noch diverse andere Ziele interessiert, und selbst bei den Zielen bei denen wir waren, ist man immer recht „eingeschränkt“ was den vorgegebenen Zeitplan angeht…auch die Tage vor Ort wollten wir nicht noch länger strecken, da auch die anderen Ziele noch irgendwie in die Route passen sollen ?. Daher: Atacama, auf JEDEN FALL ein Ziel was ich nochmal besuchen würde…dann bei der nächsten Weltreise ?.

Unser Abgang aus der Atacama Wüste ging zur Abwechslung mal nicht mit dem Flugzeug, sondern mit einer Tour in die Uyuni-Wüste. Auch das ist gefühlter Standard und war daher ähnlich leicht zu organisieren. Die Touren gibt es in zwei Varianten: 4-Tage, mit Rückkehr nach San Pedro, oder 3-Tage, ohne Wiederkehr ?. Wir haben uns natürlich für die 3-Tages-Tour entschieden, die das Ende dann in Uyuni vorsieht.

Eigentlich bräuchte diese Tour auch einen eigenen Blog-Artikel. Die Kurzform: Es war der absolute Wahnsinn. So Wahnsinn, dass ich nicht weiß wie ich das beschreiben soll. Wir fuhren drei Tage in einem 4×4 Pickup durch Landschaften die ich mir nicht mal hätte im Traum vorstellen können…in knapp 5000 Metern Höhe an Orte an denen es keine Straßen mehr gab…nur noch „Natur“ von solch‘ einer Art die ich wirklich noch nicht kannte. Ich halte die deutsche Sprache schon für recht ausgefeilt, wenn es darum geht Dinge präzise zu beschrieben. Vielleicht liegt es auch einfach an meinem Wortschatz, aber nach 100x „Geil, Wahnsinn, Unglaublich, Schön, Krass, Traumhaft, Unwirklich“ oder ähnlichen war ich irgendwann einfach nur noch stumm. So stumm, dass mir die Tränen die Wangen runter liefen, weil mein Gehirn nicht verstand was meine Augen sahen…

Ich konnte nichts mehr sagen, und empfand einfach nur Dankbarkeit. Es klingt vielleicht pathetisch, aber in dem Moment war ich so dankbar für alles was dazu geführt hatte dass ich da in diesem Pickup saß und diesen Moment erleben durfte. Angefangen von meinem Geburtsort der das überhaupt möglich machte, über die Erziehung, Bildung, Job, ja selbst meine Scheidung…die mich u.a. zu der Weltreise geführt hat ?. Es war einfach „unbeschreiblich“…nur leider reicht unbeschreiblich an dieser Stelle überhaupt nicht aus um sich daraus eine Vorstellung zu machen.

Funfact: Ich habe für mich entschieden, dass der Ausdruck „Ich frecke“ es eigentlich am besten beschreibt. Vielleicht nicht literarisch wertvoll, dafür trifft’s aber meinen Humor ?.

Diesen besonderen „Ich frecke“-Moment hatte ich schon am ersten Tag der Tour…da waren wir von der Uyuni noch meilenweit entfernt. So intensiv ging es die nächsten 48-Stunden weiter, gespickt mit weiteren (Natur-)Highlights und auch weniger schönen Momenten. Nicht empfehlen kann ich z.B. die erste bolivianische Hostel-Erfahrung in „Villa Mar“, natürlich so abgelegen wie der Rest der Tour. Im Gegensatz zu unserer bisherigen Hostel-Auswahl konnten wir hier – als Teil der Tour – das Hostel natürlich nicht selber wählen und waren leicht geschockt. Aber auch das haben wir überlebt und am nächsten Tag ging es weiter…

Auch hier galt: Nicht nur die (angepriesenen) Sehenswürdigkeiten waren eine Reise wert, sondern auch die Gesamtsituation: 7 Leute in einem Pickup, ein Pärchen um die 40 aus Brasilien, ein weiteres Pärchen um die 30 aus Portugal, Eric, der Fahrer Mario und ich. Irgendein Zufall (oder irgend ein Touranbieter in San Pedro) muss uns wohl zusammen geführt haben…ca. 60 Stunden lang, auf engstem Raum, und irgendwo im kulturellen und sprachlichen Mix zwischen den Kontinenten, und zwischen Spanisch, Portugiesisch, Englisch und Deutsch ?. Diese Momente, in denen der konstant kokablatt-kauende Fahrer Mario keine Miene verzieht, während er mit über 100 Sachen durch die Offroad-Prärie von Bolivien heizt…während nebenher im Radio ein Mix aus Roxanne (Must have been Love, aber auf Spanisch), Lady Gaga’s Pokerface und spanischen Kumbia-Mix trällert.

Ganz ehrlich, das kann man sich nicht ausdenken ?.

Es war einfach ein Highlight, und das gipfelte dann endlich am dritten Tag als Mario morgens früh um 05:30 Uhr seinen 4×4 Nissan anschmiss um uns zum Sonnenaufgang in die Uyuni zu bringen…Was soll ich sagen…“Ich frecke“ trifft es da wohl wieder am besten ?. Keine Wolke am Himmel, ein glatter Horizont, und Salz, wohin das Auge blickt…nach diversen Photosessions (Fotos folgen ?), einer Frühstückspause auf Salz-Blöcken und einem Besuch der Isla del Pescado war dann auch irgendwann dieses Highlight vorüber. Wie fuhren in das Dorf Uyuni, bekamen dort noch ein Mittagessen kredenzt und verabschiedeten unsere mehr oder weniger ans Herz gewachsenen Mitstreiter mit dem üblichen Insta-Profil-Austausch ?.

Für Eric und mich hieß es weiter weiter mit dem Bus in Richtung bolivianisches Hochland – nächster Stopp war die ehemaligen Silberminenstadt Potosí.

Santiago de Chile

Nach einem weiteren Inlandsflug und den damit verbundenen – fast schon routinierten – Abläufen wie Sachen packen, im Hostel auschecken, Mietwagen zurück bringen und den Weg zum nächsten Hostel finden, waren wir nach 3 Wochen Pampa auch mal wieder in einer Großstadt: Santiago de Chile.

Santiago, die Stadt der…ja was denn überhaupt? Gibt es irgend etwas was man über die Stadt weiß, außer dass es die Hauptstadt von Chile ist? Sehenswürdigkeiten, Einwohner, Viertel oder sonstiges?

Ich hatte zumindest keine große Vorstellung von der Stadt, außer dass ich mich persönlich auf etwas mehr Menschen, Verkehr & Lautstärke, aber auch auf nette Restaurants, Bars, Interaktionen und ein wenig Party gefreut habe. Da wir uns selbst ja etwas endschleunigen wollten, hatten wir 6 Nächte im schönen Eco-Hostal Tambo Verde gebucht.

Nach einem kurzem Check der üblichen „Top 10 Things to do in Whatever“-Webseiten hatten wir nen guten Plan für die nächsten Tage und starteten am ersten gleich mit einer „kostenlosen“ Stadtführung. Die war recht kurzweilig und unterhaltsam, und wir hatten gleichzeitig einen kleinen Überblick über die Geschichte der Stadt und ein paar Sehenswürdigkeiten. 

Santiago hat mehr als 6 Mio. Einwohner, daher war von vorne herein klar dass eine 2-stündige Tour durch die Innenstadt natürlich nur einen Bruchteil der Stadt beleuchten kann.

Die weitern Tagen vergingen dann auch wie im Flug…Stadtviertel hier, Stadtviertel dort, mal einen Einblick beim (chaotischen) Zentralmarkt oder eine Gondelfahrt zum Cerro San Cristóbal, und da war die Zeit auch schon so gut wie rum.

Ein Highlight war auf jeden Fall unser Besuch beim Plaza de Armas, auf dem jeden Tag der ortsansässige Schachclub seine Tische aufbaut und für mehrere Stunden sein Können zur Schau stellt. Dies sind zum Großteil Einheimische, aber auch Touristen die ihr Glück gegen die Clubmitglieder versuchen.

Gesagt, getan, die Gelegenheit wollte sich Eric nicht nehmen lassen. Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten wurde dann der erste der alten Herren herausgefordert…und dieser verlor dann auch nach einem kurzen Spiel. Das ging dann auch bei den nächsten 1-2-3 Partien so weiter…und nach ein paar Stunden stand es am Ende 10:2 für Eric ?. 

Zwischenzeitlich kamen immer mal andere an den Tisch und schauten was der „blonde junge Typ aus Alemania“ da machte. Alle waren sehr nett, und einer der geschlagenen Herausforderer (80 Jahre alt!) bot mir ein Stück Schokolade an und erzählte mir danach von seiner Zeit in Deutschland…es schien ihm gefallen zu haben, denn kurz darauf wollte er ein Foto und hat mit mir im gebrochenen Deutsch „O-Tannenbaum“ und einen deutschen Schlager gesungen ?. 

Ansonsten waren die Tage eher unspektakulär. Party gab’s leider keine (also gab es bestimmt schon, aber ohne uns ?), dafür am letzten Tag ein Museumsbesuch über die Militärdiktatur in Chile. Vielleicht reichen die paar Tage auch nicht aus um mit so einer Metropole warm zu werden…aber so richtig umgehauen hat es mich irgendwie nicht.

Nach den 6 Tagen ging’s dann auch schon weiter…wieder mit einem Inlandsflug (ja, das Land ist recht lang ?) nach Calama im Norden des Landes…ca. 1,5 Stunde entfernt von unserem nächsten Ziel: In die Wüste nach San Pedro de Atacama.

Puerto Montt

Nach unserem Abenteuer im Süden des Kontinents hieß es für uns den Weg Richtung Norden anzutreten. Aus finanziellen (Mietwagen mit Einwegmiete), und zeitlichen Gründen (Bus), hatten wir uns entschieden stattdessen in den Flieger zu steigen und die knapp 2000 Kilometer nach Puerto Montt zu fliegen.
Die Region um Puerto Montt ist als super schöne Vulkan-, Seen- & Wald-Gegend mit diversen Nationalparks bekannt. 

Gesagt, getan, da wir den ersten Mietwagen noch zurück geben mussten, ging unser Flieger von Punta Arenas – das hieß für uns ein  „kleiner“ Rückweg von 650 km und ein erneuter Grenzübergang zurück nach Chile. Da wir nicht die selbe Route wie beim Hinweg nach El Chalten nehmen wollten, fuhren wir über Rio Gallegos – ich kann sagen: Nicht zu empfehlen ?. Die Straßen und Landschaften ringsherum waren recht ähnlich (schön), allerdings war Rio Gallegos eher unansehnlich. Egal, nach einer Nacht im „4-Sterne-Hotel“ für 35 € ging es für uns am nächsten Morgen auch schon wieder weiter. 

Da der Flug leider auf 20 Uhr verschoben wurde, hieß es für uns erst mal warten, und daraus resultierend eine recht später Ankunft am Flughafen in Puerto Montt. Der Mietwagen-Schalter hatte zwar gerade noch offen, allerdings wollte dieser Partout nicht eine meiner 3 (Debit)Karten akzeptieren. 

Nach kurzem Disput über den Google Translator war ich nicht nur mit meinem Spanisch, sondern auch mit meinem Latein am Ende, da ich abends um 23:30 Uhr, an einem Flughafen in einer neuen Stadt und ca. 80 km entfernt vom Ziel wirklich nicht wusste wie es weiter gehen sollte. 

Die genaue Lösung würde jetzt zu weit führen, ich kann nur sagen dass ich funktionierende digitale Prozesse wirklich zu schätzen weiß…so konnte ich meine (neue, in der Heimat liegende) Kreditkarte übers Onlinebanking direkt meinem ApplePay hinzufügen (und per FaceId bezahlen), obwohl ich keine PIN hatte und die physische Karte 10.000 km entfernt liegt ?. 

Nachdem auch das Problem aus der Welt geschafft war, konnten die ersten Tage außerhalb von Patagonien starten…und was soll ich sagen, es war „unterhaltsam“. 

Einerseits war die Landschaft komplett anders als im Süden des Landes, zum anderen warteten wieder interessante Hostel-Erfahrungen auf uns. 

Unser gebuchtes „Mozart“-Hostel, mit einer booking.com Bewertung von 9.7 (!) ließ ja kaum Wünsche offen, so könnte man meinen…allerdings wurden wir nach unserer Ankunft auch recht schnell wieder auf den Boden der Backpacker-Tatsachen zurück geholt…die gute Hostel-Mutter Andrea (ursprünglich aus Österreich) war SEHR mitteilungsbedürftig, und hatte dies auch in ihrem Hostel-Konzept berücksichtigt. So gab es Frühstück nur gemeinsam an einem großen Esstisch, und auch sonstige kurze Anfragen wurden mit mind. 15 minütigen Monologen begleitet. Ein schnelles Entkommen war kaum möglich. So weit, so normal…skurriler wurde es nicht nur durch ihren Arnold-Schwarzenegger-Akzent (allerdings auf Spanisch, nicht Englisch), sondern auch durch die weiteren Gäste, z.B. einer Langzeitmieterin, die als (O-Ton Andrea: sehr sportliche) Anwältin aus Santiago ihre geschätzten 100 kg in gammelige T-Shirts und bunte Regenbogen-Leggins verpackt um von Andreas Wohnzimmer aus zu „arbeiten“. 

Noch lustiger wurde es durch Andreas’ Mann Esteban, der auch zu jedem Thema seinen Senf abgeben durfte sobald Andrea eine Bestätigung ihrer Aussage erwünschte. Natürlich auf Spanisch, was sie dann wieder lautstark übersetzte.

Das große Highlight war allerdings das Hostel selbst, was auch aus einer Horror-Verfilmung von Pippi Langstrumpf hätte entsprungen sein können. Die Inneneinrichtung war ein dezenter Mix aus 80er Jahre Österreich-Charme (Eiche Rustikal), komplett zugestellt mit irgendwelchem Krimskrams, gepaart mit weiteren „hübschen“ chilenischen Einflüssen. 

Um noch weitere Nationalitäten zu bemühen, erinnerte mich unser Zimmer an eine finnische Sauna, da jede Wand (inkl. Decke, Boden, Tür und eingelassener Schrank) komplett aus dem gleichen Holz war. Interessanter Stil würde ich sagen, oder um es mit Andreas Worten zu sagen: PERFEEEEECTO!

Nachdem wir den ersten Tag auf Grund des Wetters fast nur im Zimmer verbracht haben (oder besser: verbringen mussten), zog es uns am zweiten Tag raus in den Nahe gelegenen Nationalpark. Wie schon erwähnt, landschaftlich sehr schön, sehr grün, und fast schon Regenwald-Charakter (siehe Photoset). Nach einer kurzen Wanderung wartete nur noch das Städtchen Puerto Montt auf uns, was allerdings eher Industrie-Charme zu bieten hatte. 

Am nächsten Tag gab es ein ähnliches Spiel, wir lauschten Andreas Ausführungen zur chilenischen Politik, kalten Pfannekuchen, ihren 2% Steuernzahlungen, Montesori-Schulen, ihr Aufenthalt in New Mexico etc., fuhren danach in weitere Nationalparks, schauten uns ein paar Sehenswürdigkeiten an und suchten uns einen geeigneten Spot zum Essen.

Grundsätzlich ist die Gegend sehr schön und hätte bestimmt noch viel mehr zu bieten gehabt (die Insel Chiloé oder die argentinische Seite um Bariloche), aber auch hier mussten wir nach ein paar Tagen „leider“ weiter ziehen…der nächste Flug wartete auf uns und brachte uns in die Hauptstadt Santiago, in der weitere Highlights auf uns warten sollten ?.