Der Alerce Andino Nationalpark bei Puerto Montt
Monat: April 2023
Puerto Montt
Nach unserem Abenteuer im Süden des Kontinents hieß es für uns den Weg Richtung Norden anzutreten. Aus finanziellen (Mietwagen mit Einwegmiete), und zeitlichen Gründen (Bus), hatten wir uns entschieden stattdessen in den Flieger zu steigen und die knapp 2000 Kilometer nach Puerto Montt zu fliegen.
Die Region um Puerto Montt ist als super schöne Vulkan-, Seen- & Wald-Gegend mit diversen Nationalparks bekannt.
Gesagt, getan, da wir den ersten Mietwagen noch zurück geben mussten, ging unser Flieger von Punta Arenas – das hieß für uns ein „kleiner“ Rückweg von 650 km und ein erneuter Grenzübergang zurück nach Chile. Da wir nicht die selbe Route wie beim Hinweg nach El Chalten nehmen wollten, fuhren wir über Rio Gallegos – ich kann sagen: Nicht zu empfehlen ?. Die Straßen und Landschaften ringsherum waren recht ähnlich (schön), allerdings war Rio Gallegos eher unansehnlich. Egal, nach einer Nacht im „4-Sterne-Hotel“ für 35 € ging es für uns am nächsten Morgen auch schon wieder weiter.
Da der Flug leider auf 20 Uhr verschoben wurde, hieß es für uns erst mal warten, und daraus resultierend eine recht später Ankunft am Flughafen in Puerto Montt. Der Mietwagen-Schalter hatte zwar gerade noch offen, allerdings wollte dieser Partout nicht eine meiner 3 (Debit)Karten akzeptieren.
Nach kurzem Disput über den Google Translator war ich nicht nur mit meinem Spanisch, sondern auch mit meinem Latein am Ende, da ich abends um 23:30 Uhr, an einem Flughafen in einer neuen Stadt und ca. 80 km entfernt vom Ziel wirklich nicht wusste wie es weiter gehen sollte.
Die genaue Lösung würde jetzt zu weit führen, ich kann nur sagen dass ich funktionierende digitale Prozesse wirklich zu schätzen weiß…so konnte ich meine (neue, in der Heimat liegende) Kreditkarte übers Onlinebanking direkt meinem ApplePay hinzufügen (und per FaceId bezahlen), obwohl ich keine PIN hatte und die physische Karte 10.000 km entfernt liegt ?.
Nachdem auch das Problem aus der Welt geschafft war, konnten die ersten Tage außerhalb von Patagonien starten…und was soll ich sagen, es war „unterhaltsam“.
Einerseits war die Landschaft komplett anders als im Süden des Landes, zum anderen warteten wieder interessante Hostel-Erfahrungen auf uns.
Unser gebuchtes „Mozart“-Hostel, mit einer booking.com Bewertung von 9.7 (!) ließ ja kaum Wünsche offen, so könnte man meinen…allerdings wurden wir nach unserer Ankunft auch recht schnell wieder auf den Boden der Backpacker-Tatsachen zurück geholt…die gute Hostel-Mutter Andrea (ursprünglich aus Österreich) war SEHR mitteilungsbedürftig, und hatte dies auch in ihrem Hostel-Konzept berücksichtigt. So gab es Frühstück nur gemeinsam an einem großen Esstisch, und auch sonstige kurze Anfragen wurden mit mind. 15 minütigen Monologen begleitet. Ein schnelles Entkommen war kaum möglich. So weit, so normal…skurriler wurde es nicht nur durch ihren Arnold-Schwarzenegger-Akzent (allerdings auf Spanisch, nicht Englisch), sondern auch durch die weiteren Gäste, z.B. einer Langzeitmieterin, die als (O-Ton Andrea: sehr sportliche) Anwältin aus Santiago ihre geschätzten 100 kg in gammelige T-Shirts und bunte Regenbogen-Leggins verpackt um von Andreas Wohnzimmer aus zu „arbeiten“.
Noch lustiger wurde es durch Andreas’ Mann Esteban, der auch zu jedem Thema seinen Senf abgeben durfte sobald Andrea eine Bestätigung ihrer Aussage erwünschte. Natürlich auf Spanisch, was sie dann wieder lautstark übersetzte.
Das große Highlight war allerdings das Hostel selbst, was auch aus einer Horror-Verfilmung von Pippi Langstrumpf hätte entsprungen sein können. Die Inneneinrichtung war ein dezenter Mix aus 80er Jahre Österreich-Charme (Eiche Rustikal), komplett zugestellt mit irgendwelchem Krimskrams, gepaart mit weiteren „hübschen“ chilenischen Einflüssen.
Um noch weitere Nationalitäten zu bemühen, erinnerte mich unser Zimmer an eine finnische Sauna, da jede Wand (inkl. Decke, Boden, Tür und eingelassener Schrank) komplett aus dem gleichen Holz war. Interessanter Stil würde ich sagen, oder um es mit Andreas Worten zu sagen: PERFEEEEECTO!
Nachdem wir den ersten Tag auf Grund des Wetters fast nur im Zimmer verbracht haben (oder besser: verbringen mussten), zog es uns am zweiten Tag raus in den Nahe gelegenen Nationalpark. Wie schon erwähnt, landschaftlich sehr schön, sehr grün, und fast schon Regenwald-Charakter (siehe Photoset). Nach einer kurzen Wanderung wartete nur noch das Städtchen Puerto Montt auf uns, was allerdings eher Industrie-Charme zu bieten hatte.
Am nächsten Tag gab es ein ähnliches Spiel, wir lauschten Andreas Ausführungen zur chilenischen Politik, kalten Pfannekuchen, ihren 2% Steuernzahlungen, Montesori-Schulen, ihr Aufenthalt in New Mexico etc., fuhren danach in weitere Nationalparks, schauten uns ein paar Sehenswürdigkeiten an und suchten uns einen geeigneten Spot zum Essen.
Grundsätzlich ist die Gegend sehr schön und hätte bestimmt noch viel mehr zu bieten gehabt (die Insel Chiloé oder die argentinische Seite um Bariloche), aber auch hier mussten wir nach ein paar Tagen „leider“ weiter ziehen…der nächste Flug wartete auf uns und brachte uns in die Hauptstadt Santiago, in der weitere Highlights auf uns warten sollten ?.
Die Zeit rennt…
So, das war’s dann wohl…31 Tage, der erste Monat ist rum! Ich kann es selbst kaum glauben, aber genau heute vor einem Monat hab ich mir meinen Rucksack (und meinen Neffen ?) geschnappt und bin Richtung Frankfurt aufgebrochen um in den ersten Flieger nach Buenos Aires zu steigen…Wahnsinn, dass das jetzt schon so lange her ist ?.
Einen Monat „Urlaub“, das klingt wirklich lang. So lang, dass es mir nicht auf Anhieb eingefallen ist wann ich das letzte Mal vier Wochen am Stück unterwegs war. Es war 2017 nach Neuseeland, und davor wahrscheinlich 6 Wochen 2010 (auch nach Neuseeland ?). Ansonsten ist es ja eher ungewöhnlich so lange Urlaub zu haben (selbst bei Audi ?).
Ich wurde jetzt schon mehrfach gefragt wie es sich anfühlt jetzt „so lange“ weg zu sein…und ich kann es nicht mal sagen. Der Monat hat sich super kurz und schnell angefühlt, und trotzdem (oder deshalb ?) bin ich immer noch noch nicht im „Wow-ich-bin-auf-Weltreise“-Modus. Einerseits könnte ich morgen wieder nach Hause fliegen, hätte eine tolle Zeit gehabt und könnte mich einen Tag später wieder an die Arbeit setzen, andererseits bin ich froh dass das noch nicht der Fall ist ?. Alles läuft gut und die Tage vergehen, aber bahnbrechende Erlebnisse, Erkenntnisse oder Veränderungen habe ich jetzt noch nicht feststellen können. Kommt das noch? Vielleicht. Vielleicht hat man (aka: ich) am Anfang zu hohe Erwartungen? Vielleicht ist es mit ü40 aber auch einfach nicht so aufregend oder lebensverändernd wie mit u20? Vielleicht bin ich auch gar nicht auf Weltreise, sondern Manuel Neuer ?. I don’t know, aber der erste Monat war auf jeden Fall recht unspektakulär, aber schön. Das Heimweh hält sich (meist) in Grenzen und noch nerven mich die Hostel-Aufenthalte und das Leben mit 3 Hosen, 5 T-Shirts und 2 Oberteilen auch noch nicht an.
Auch wenn es „schon“ einen Monat war, so hab ich ja auch „erst“ 1/11.tel der Gesamtdauer…mal sehen was also alles noch kommt, und ob sich meine Einstellungen und Gedanken diesbezüglich noch verändern ?. Bis dahin mach ich mal so weiter wie gehabt…die Route steht (so grob) und ab jetzt wird es eigentlich nur noch spontaner…
Summary: Argentinien
Für die Beschreibung was das hier ist, bitte im Artikel weiter unten nachlesen ?.
Land & Leute:
Nun ja, dafür erst mal ein kurzer Rückblick was ich alles überhaupt gesehen/gemacht habe. Begonnen in Buenos Aires, dann runter nach Ushuaia, dann erst mal nach Chile (zählt hier nicht mit rein), dann nach El Calafate (Gletscher), El Chalten (Fitz Roy) und zum Schluss noch kurz eine Nacht in Rio Gallegos. Gesamtdauer in Argentinien: Ziemlich genau 14 Tage.
Spontane Bewertung: Ganz okey, aber auch nicht der Burner. Warum? Zum einen das Thema Sicherheit…auch wenn wir nie Probleme hatten, so wurden wir doch oft darauf hingewiesen und sind auch mit offenen Augen durch die Stadt gegangen. Buenos Aires fand ich jetzt auch nicht sonderlich schön, und auch die anderen Orte haben nicht durch „pittoreske, kleine Kopfsteinpflaster-Gässchen“ geglänzt ?. Infrastruktur, Orga, Infos, Sauberkeit, etc. war auch alles (zum Teil) gegeben, aber auch da war an vielen Stellen noch Luft nach oben…
Insgesamt: 6/10
Natur:
Da ich Buenos Aires nicht mit berücksichtige (und der Torres in Chile war), zählt hier Ushuaia, die Fahrten durchs Land, der Gletscher und die Umgebung um den Fitz Roy…
Das fand ich schon alles SEHR beeindruckend, also eine 8/10.
Essen & Trinken:
Uff…was soll ich sagen…Argentinien, bekannt durch das gute Fleisch…ja, das war auch ganz lecker, aber abgesehen davon scheinen die kulinarisch keine große Vielfalt anzubieten…in jedem Laden gab es 95% Sandwiches, Burger, Pizza (und Steak). Zur Abwechslung noch Empanadas, aber die waren mehr für den kleinen Hunger zwischendurch.
Also eher eine 4/10.
Persönliche Erlebnisse:
Angefangen mit dem „Start der Weltreise“ inkl. der ersten Tage/Wochen unterwegs, Fine Dining in Buenos, die Fahrten durchs Land, die Ausflüge in den Nationalparks, das Gefühl „am Ende der Welt zu sein“…
Fand ich alles ziemlich gut: 8/10.
Highlight:
Da kann ich mich gerade schwer festlegen.
1.) Der Moment als ich argentinischen Boden betrat und wusste dass es jetzt WIRKLICH losgeht
2.) Das Wetter. So viele Gedanken und „Sorgen“ habe ich mir im Vorhinein über die Route gemacht, und die verrückte Idee, abseits der Hauptsaison nach Patagonien zu fliegen…und was soll ich sagen: Bis auf einen Tag war das Wetter wirklich traumhaft ☀️?
3.) Dulce de Leche. Zumindest mein kleines, tägliches Highlight am Frühstückstisch ?
3.) die Herbst-Farben im „Los Glaciares“ NP bei El Chalten.
Lowlight:
Da nichts wirklich schief gelaufen ist, gibt es hier kaum etwas zu nennen:
1.) Das Essen
2.) Leider war es eine kleine Enttäuschung dass das „Post Office am Ende der Welt“ geschlossen hatte…das wäre noch schön gewesen von dort Post zu verschicken.
Surprise:
1.) Englisch ist hier WIRKLICH Mangelware ?
2.) Die Preise sind unverschämt günstig. Durch die Monster-Inflation gibt es den „Blue-Dollar“, der einen doppelt so guten Wechselkurs ermöglicht wie der offizielle Wechselkurs der Nationalbank (aktuell: anstatt 1/200 ca. 1/400 ARS). So ganz habe ich das (volkswirtschaftlich) nicht verstanden, aber ich hab das einfach mal akzeptiert ?. Dadurch kamen die wirklich günstigen Preise zu Stande (Volltanken 14 €, 2 Longdrinks für 3 € oder ein Abendessen für 10 €).
Overall:
Wie auch schon an den Einzelbewertungen zu sehen ist…die Natur fand ich wirklich beeindruckend, den Rest kann man sich meiner Meinung auch sparen. Durch die günstigen Preise hat man allerdings ein gutes Argument länger im Land zu bleiben (zumindest wenn es in den Nachbarländern ähnlich aussieht, aber dafür teurer ist).
Gesamt: Mathematisch eher 7, gefühlsmäßig eher eine 6 von 10.
Summary: Erläuterung
So, nachdem das erste Land jetzt komplett hinter uns liegt, habe ich mich entschieden eine kleine Zusammenfassung zu schreiben – für mich, und für alle anderen die es interessiert. Das habe ich nach jedem Land vor, so dass ich am Schluss ganz gut nachvollziehen kann wo und wieso ich es am schönsten fand bzw. was mich in dem jeweiligen Abschnitt beschäftigt hat. Also, let’s go:
Land & Leute:
Hierzu zähle ich mal alles was „das alltägliche Leben“ betrifft, also Sicherheit, Infrastruktur, die Menschen, Preise, Reisemöglichkeit, etc.
Natur:
Sollte selbsterklärend sein ?.
Essen & Trinken:
Sollte selbsterklärend sein ?.
Persönliche Erlebnisse:
Touren, Ausflüge, Sehenswürdigkeiten oder auch einfach kleine Momente die in Erinnerung bleiben…Was habe ich dort gemacht und wie hat es mich begeistert?
Highlight:
Was fand ich am besten?
Lowlight:
Was fand ich am schlechtesten?
Surprise:
Was hat mich überrascht?
Overall:
Meine Gesamtbeurteilung