{"id":903,"date":"2023-10-18T18:53:02","date_gmt":"2023-10-18T16:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/itsmedoubleg.com\/?p=903"},"modified":"2023-10-18T18:57:17","modified_gmt":"2023-10-18T16:57:17","slug":"the-land-of-the-free-%f0%9f%98%8e-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/itsmedoubleg.com\/?p=903","title":{"rendered":"The land of the free \ud83d\ude0e (Teil 3)"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach dem kleinen, unerwarteten Abenteuer in Boise ging es also weiter, immer noch halb verkatert, knapp 8 Stunden in Richtung Portland. Die Fahrt war nicht sonderlich aufregend\u2026die Landschaft ver\u00e4nderte sich vom platten, langweiligen und flachen Idaho zum sch\u00f6neren und bewaldeten Oregon. Was hatte ich nicht alles schon geh\u00f6rt \u00fcber Portland\u2026wie ein kleines San Francisco, total sch\u00f6n, gechillt, liberal, usw\u2026das waren zumindest die Geschichten noch vor ein paar Jahren. Die neusten Reaktionen waren allerdings etwas anders: Immer wenn ich interessierten Menschen von meine Reiseroute berichtete, bekam ich besorgte Blicke und es hie\u00df: Oh, da musst du aufpassen\u2026viele Obdachlose, Kriminalit\u00e4t, und anscheinend ist nicht mehr so viel \u00fcber von dem gechillten Vibe von fr\u00fcher. Naja, dachte ich mir, ich werde mir schon mein eigenes Bild machen\u2026und was soll ich sagen: Es war \u201espeziell\u201c \ud83d\ude2c.<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland ist nicht unbedingt als Trendsetter-Land bekannt. H\u00e4ufig habe ich schon irgendwas im Ausland gesehen was dann erst einige Jahre sp\u00e4ter bei uns \u201ein Mode\u201c war\u2026Karotten-Hosen, Flanking, Birkenstock, etc. Gerne haben sich die Deutschen ja auch an Amerika orientiert wenn es um den generellen Lifestyle ging\u2026Filme, Musik, Ern\u00e4hung, Tech, Trends\u2026da war ein Besuch in USA immer ein kleiner \u201eBlick in die Zukunft\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe inst\u00e4ndig, dass das nicht mehr zutrifft, und falls doch, dass Portland nicht das Ma\u00df aller Dinge ist. Noch nie habe ich so eine diffuse, und kaputte Gesellschaft gesehen\u2026das war wirklich be\u00e4ngstigend.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Was wirklich auff\u00e4llig war: Es gab erschreckend viele Homeless-People. Klar kannte ich das auch schon aus anderen St\u00e4dten und aus meiner Zeit in SF, aber das hier war nochmal ne andere Hausnummer\u2026Traurig genug dass das amerikanische System so viele Menschen durchs Raster fallen l\u00e4sst. An jeder Ecke sah man Menschen mit ihrem Hab und Gut in Einkaufsw\u00e4gen, oder irgendwelche Zelte mitten in der Stadt camieren. Ein Gro\u00dfteil von ihnen sah so kaputt und zugedrogt aus, das war echt gruselig anzusehen\u2026da wurden am laufenden Band Selbstgespr\u00e4che gef\u00fchrt, rumgeschrien, geschlafen, gebettelt, onaniert\u2026ich wusste nicht ob ich Mitgef\u00fchl oder Angst haben sollte\u2026irgendwie war es eine Mischung aus beidem\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Als w\u00e4re das nicht schon \u201eErfahrung\u201c genug, gab es auf der anderen Seite die \u2013 ich nenne sie mal berufst\u00e4tige \u2013 Bev\u00f6lkerung, die allerdings auch total \u201edr\u00fcber\u201c war (ich vermeide hier bewusst das Wort \u201enormal\u201c). Ich habe mich bisher immer f\u00fcr einen toleranten Menschen gehalten. Ganz nach dem Motto \u201eJeder Jeck ist anders\u201c ist es mir wirklich v\u00f6llig latte wie die Leute aussehen, welches Geschlecht sie meinen zu haben oder welches andere (oder gleiche) Geschlecht sie lieben. Soll jeder machen was er\/sie\/es f\u00fcr richtig h\u00e4lt, so lange man nicht aufdringlich ist oder andere (inkl. mich) damit bel\u00e4stigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das was ich da gesehen habe\u2026das war eine Mischung aus Walking Dead und Olivia Jones. \u00dcberall (und ich meine wirklich \u00fcberall) gab es Menschen die alles zur Schau gestellt haben \u2013 und am liebsten sich selbst. Und ich rede hier nicht von zu vielen Tattoos oder vom \u201eSocken in Sandalen\u201c-Trend \ud83d\ude02. M\u00e4nner in Kleidern, ok. Mit Lippenstift, von mir aus\u2026Mit Lippenstift und Schnurres\u2026ernsthaft? und so ging es immer weiter: Nagellack, Baseballschl\u00e4ger, mit High-Heels, auf nem Skateboard, Dock-Martens und Barfu\u00df, Frisuren des Todes, Regenbogen-Haarfarben, Schminke wo auch immer, Frauen ohne und M\u00e4nner mit BH\u2019s, K\u00f6rperbehaarung wo man sie nicht sehen m\u00f6chte, Bauchfrei mit 100+ Kilo, und allen voran ungepflegte, ungewaschene aber nat\u00fcrlich \u201ehey total liberale und gechillte\u201c Leute. Vielleicht bin ich zu alt oder zu spie\u00dfig, aber zeitweise hab ich mich echt gefragt ob ich in der Stadt eigentlich der einzige Hetero, nicht \u201eDiverse\u201c Mann bin. Wie gesagt, &#8222;Every Jack is different&#8220; \ud83d\ude0e, dennoch hoffe ich nicht dass das ein \u201eBlick in die Zukunft\u201c war, und falls doch, wird es wahrscheinlich noch lange dauern bis das zur \u201eWei\u00dfe-Hemden-wei\u00dfe-Sneaker\u201c-Fraktion in Ingolstadt durchdringt \ud83d\ude02.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der Bev\u00f6lkerung die mich echt hat staunen und erzittern lassen, hat die City jetzt irgendiwe nicht so viel hergegeben. Ja okey, es gab ein paar \u201enette Str\u00e4\u00dfchen\u201c mit dem obligatorischen \u201e\u00d6ko-Bio-Homemade-Artesanal-Organic-Second-Hand-aber-bitte-laktosefrei\u201c-Einzelhandel, in dem Fris\u00f6r, Kaffee und Plattenladen vereint ist und nat\u00fcrlich selbstgemachte Seife verkauft wird, aber dar\u00fcber kann ich in 2023 jetzt auch nur noch m\u00fcde l\u00e4cheln\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Immerhin muss man nicht auf einer 8-spurigen Stra\u00dfe spatzieren gehen, und das ist f\u00fcr ne Stadt in den USA ja schon n Highlight \ud83d\ude02. Nach zwei Tagen hatte ich auf jeden Fall genug gesehen, aber da ich den Roadtrip fast komplett vorgebucht hatte, \u201emusste\u201c ich noch weitere Tage in der Stadt verbringen\u2026kein Problem, die\/der\/das diverse Fokuhila-Latzhosen-Bedienung hat mich gut mit 9 $ Kaffee versorgt (hey, nat\u00fcrlich fully organic), und ich hab einfach mal eine kleine digitale Creative-Session eingelegt\u2026schien mir sehr passend da in der Location \ud83d\ude02.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 5 Tagen ging es dann weiter nach Seattle. Die Strecke dorthin war nice, die Stadt schon um einiges Gro\u00dfst\u00e4dtiger. Die super bekannte Space-Needle musste ich aber wirklich suchen, da das Denkmal weder so hoch, noch so pr\u00e4sent ist wie urspr\u00fcnglich angenommen\u2026anyway, am zweiten Tag hab ich\u2019s dann gefunden, und f\u00fcr geschmeidige 42 $ konnte ich dann auch die Aussicht genie\u00dfen\u2026(zum Vergleich: Die Aussichtsplattform auf dem K\u00f6lner Dom kostet 6\u20ac und ist fast genauso hoch \ud83d\ude02). Ansonsten gab es noch wirklich viele architektonisch beeindruckende Geb\u00e4ude und ein paar Sightseeing-Spots wie die die \u201eGum Wall\u201c oder die ber\u00fchmten Markthallen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Was wirklich schade ist: Portland sowie Seattle haben bestimmt ein ganz cooles Nightlife und ne nette Bar-Kultur, aber da ich die ganze Zeit alleine unterwegs war habe ich das leider nicht in Erfahrung bringen k\u00f6nnen. In den Hostels hatte ich diesmal auch weniger Gl\u00fcck und keinen Kontakt gekn\u00fcpft\u2026naja, beide St\u00e4dte waren eine Erfahrung, auch wenn ich es mir anders vorgestellt hatte \ud83d\ude02. Nach ein paar Tagen Seattle war es dann aber so weit\u2026kurz \u00fcber die Grenze, zur\u00fcck nach Vancouver und dann Monique vom Flughafen abholen um in unseren gemeinsamen Urlaub zu starten \ud83e\udd73.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem kleinen, unerwarteten Abenteuer in Boise ging es also weiter, immer noch halb verkatert, knapp 8 Stunden in Richtung Portland. Die Fahrt war nicht sonderlich aufregend\u2026die Landschaft ver\u00e4nderte sich vom platten, langweiligen und flachen Idaho zum sch\u00f6neren und bewaldeten Oregon. 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